Zürich: Die Stadt am herrlichen Zürichsee

Zürich ist eine Großstadt im Kleinformat. Auf engstem Raum und fast immer zu Fuß können Sie die großen Sehenswürdigkeiten ebenso erkunden wie den Charme einer lebendigen Stadtkultur. Sie können in Altstadtgassen bummeln, durch glänzende Ladenmeilen flanieren oder am Seeufer tief Luft holen. Selbst ein Wochenende reicht schon aus, um die Stadt kennen zu lernen. All das, wofür die Schweiz bekannt ist – Uhren, Banken, die weltberühmte Schokoladenfabrik Lindt & Sprüngli: Zürich hat es. Die Schneeberge sind vom Seeufer aus zu sehen – und nur einen Tagesausflug weit entfernt. Und das moderne Zürich pulsiert: Von seinem multikulturellen Nachtleben schwärmen Gäste aus ganz Europa.

Zürich bietet weltweit die beste Lebensqualität. Das behaupten nicht die Zürcher selbst – das geht aus einer Studie von Mercer hervor, des größten Consultingunternehmens der Welt, das jedes Jahr Ranglisten erstellt. Seit mehreren Jahren steht Zürich hier auf Platz eins. Was Zürich so lebens- und erlebenswert macht, sind das große Freizeitangebot und die privilegierte Lage am herrlichen Zürichsee, eingebettet in grüne Hügel. Es sind die ausgedehnten Fußgängerzonen und Grünflächen, die Straßencafés, die Altstadtgassen, die vielen jungen Designerläden, die Boutiquen der großen Modelabels.

Viele internationale Großkonzerne haben sich in oder um Zürich niedergelassen. Und nicht nur deren Mitarbeiter, auch die vielen ausländischen Fachkräfte in Schweizer Unternehmen machen Zürichs Bevölkerung zu einer polyglotten Gesellschaft. Fast jeder vierte Einwohner stammt heute aus dem Ausland. Brasilianische Bars, englische Clubs und japanische Spitzenrestaurants sind deshalb ebenso selbstverständlich wie die traditionellen Schweizer Kulturgüter: die Banken, die Uhren und die gute Schokolade.

In der Vergangenheit wurde Zürich vor allem der Politik der umliegenden Länder wegen häufig zur Wahlheimat großer Persönlichkeiten. Thomas Mann wohnte hier (bzw. im nahen Kilchberg), Bertolt Brecht und Richard Wagner, James Joyce, C.G. Jung, Georg Büchner sowie Wladimir Iljitsch Uljanow, besser bekannt unter dem Namen Lenin. Zürichs Liste von weltbekannten, brillanten Köpfen Schweizer Provenienz ist ebenfalls beeindruckend. Dazu gehören z.B. Gottfried Keller und Max Frisch oder die konstruktiven Künstler Max Bill und Richard Paul Lohse. Auch heute leben in und um Zürich viele Künstler, Showgrößen und sonstige VIPs, die man eher in Paris oder New York erwarten würde, so etwa die Rocklegende Tina Turner und der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava.

Zürich ist Kunst- und Kulturmetropole: Auf knapp 370000 Einwohner kommen über 60 Kinosäle, 14 permanente Theater und über 40 Museen. Dazu hat sich eine überaus lebendige und kreative Design- und Modeszene etabliert, was dazu führt, dass viele Jungtalente nicht in die Metropolen im Ausland abwandern, sondern ihre Kreativität in ihrer Heimat umsetzen. Heimische Labels wie Rossi und Ida Gut sind nur zwei Beispiele von vielen.

Historische Kulturdenkmäler gibt es ebenfalls in Hülle und Fülle. Die Glasfenster von Marc Chagall im Fraumünster gehören dazu, die Plastik von Max Bill an der Bahnhofstrasse, das Grossmünster, das Wahrzeichen der Stadt, oder die Kirche St. Peter mit dem größten Zifferblatt Europas. Auch der Zoo mit seiner Masoala-Halle, einem gigantischen Regenwaldreservat, ist einen Besuch wert. Moderne Architektur boomt in den Industriequartieren Zürich-West und Zürich-Nord. Und was es wirklich mit der Schweizer Uhrenindustrie auf sich hat, sieht man auf einem Schaufensterbummel entlang der Bahnhofstrasse.

Zürich ist überschaubar. Die Stadt liegt am nördlichen Ende des Zürichsees zwischen zwei Hügelketten. Die Limmat fließt aus dem See mitten durch die Stadt und vereint sich am Platzspitz hinter dem Landesmuseum mit der Sihl, die aus einem Seitental kommt. Der einstige Wehrgraben, der Schanzengraben, verläuft im Zickzack vom See bis zum Hauptbahnhof. Ein lauschiger Spazierweg führt am Kanal entlang. So kann man sich immer an fließendem Wasser oder an Hügeln orientieren. Ein dicht ausgebautes Straßenbahnsystem bringt einen bequem von einem Punkt zum andern. Abends lockt ein vielfältiges Gastronomie- und Unterhaltungsangebot, das allerdings seinen Preis hat. Taxifahrten, Eintritte, Essen und Getränke sind meist markant teurer als anderswo. Auf der Mercer-Rangliste der teuersten Städte der Welt liegt Zürich denn auch auf Platz neun. Günstig ist nur das Nach-Hause-Kommen. Ein gutes Netz von Nachtbussen wartet auf nächtliche Ausflügler. Dank der hippen Club- und Loungeszene in den neuen Stadtvierteln sowie der jährlichen Streetparade gilt Zürich für viele als Europas Partystadt schlechthin. Seit die Gastwirtschaftsgesetze Ende der 1990er-Jahre gelockert wurden, ist eine junge, stetig wechselnde Gastroszene mit Restaurants, Bars und Clubs entstanden.

Zürich ist eine Ganzjahresdestination. Der lang anhaltende Hochnebel schlägt im Winter zwar vielen aufs Gemüt, doch mit dem Uetliberg, dem 871 m hohen Zürcher Hausberg, liegt der nächste Strahl Sonne für Müßiggänger sehr nah. „Uetliberg hell“ vermelden dann die Anzeigetafeln auf den Frontseiten der Trams. In schneereichen Wintern zieht die Schlittelbahn vom Uetliberg hinunter in die Stadt Jung und Alt an. Im Sommer herrscht in Zürich oft Föhn: Warmer, trockener, von den Alpen kommender Fallwind sorgt für eine fast unwirklich scheinende Fernsicht. Vor allem vom Seebecken aus sieht man dann die fernen, schneebedeckten Gipfel zum Greifen nah in der Sonne glitzern.

Zürich genießt auch als Bildungsstadt einen internationalen Ruf. Die Universität zählt über 20000 Studierende. Dazu kommen rund 12000 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH; über die Hälfte davon kommt aus dem Ausland, um von der Fachkompetenz der ETH zu profitieren. Denn die Hochschule hat bis heute nicht weniger als 21 Nobelpreisträger hervorgebracht, darunter Wilhelm Konrad Röntgen und Albert Einstein. Die jüngste Auszeichnung erhielt 2002 der Biophysiker Kurt Wüthrich. Zudem genießt Zürich als Kongressstadt einen guten Ruf. Den Besuchern stehen in 163 Hotelbetrieben annähernd 18000 Betten zur Verfügung, der Flughafen liegt nur 11km von der Stadt entfernt, in Kloten.

Die verkehrsgünstige Lage spielte schon immer eine wichtige Rolle. Ab 3000 v. Chr. siedelten Pfahlbauer am unteren Ende des schiffbaren Sees. Um 15 v. Chr. errichteten die Römer auf dem Lindenhof die Zollstation Turicum. Die Siedlung wurde 929 erstmals urkundlich erwähnt. Die an Stelle der Zollstation erbaute Pfalz nutzten deutsche Könige und Kaiser. 1218 wurde Zürich freie Reichsstadt, die Pfalz wurde geschleift und als Steinbruch für den Bau von Wohntürmen verwendet. An der Napfgasse 26 und am Grimmenturm am Neumarkt (Kirchgasse 23) sind die Steine noch zu sehen. 1336 übernahmen unter der Führung von Rudolf Brun Handwerker die Macht. In Zünften organisiert, bestimmten sie 500 Jahre lang das politische Leben der Stadt. Die Zunfthäuser prägen noch heute als zumeist noble Restaurants die Altstadt, und im April markiert das Sechseläuten mit dem Umzug der Zünfte in historischen Kostümen und der Verbrennung des Schneemanns am Bellevue den Frühlingsbeginn.

Wachsende Bedeutung gewann Zürich Ende des 15. Jhs. unter Bürgermeister Hans Waldmann, der sich in den Burgunderkriegen als Truppenführer einen Namen gemacht hatte. 1519 predigte der Reformator Huldrych Zwingli erstmals im Grossmünster und löste nicht nur in Religionsfragen, sondern auch auf politischer und moralischer Ebene Erdbeben aus. Um 1780 hatte Zürich 10000 Einwohner. Im 19. Jh. wuchs die Stadt dank florierender Maschinen- und Textilindustrie, dank der Banken und Versicherungen sowie eines regen Tourismus zu einem der Verkehrs- und Wirtschaftszentren der Schweiz heran. 1848 wurde der Schweizerische Bundesstaat gegründet. Im Zuge der deutschen Revolution zogen viele Künstler und Denker als Flüchtlinge nach Zürich und hinterließen der Stadt ein reiches kulturelles und geistiges Erbe. Das Heer der Industriearbeiter verhalf Zürich Ende der 1920er-Jahre zu einer politisch „roten“ Phase. Sie dauerte bis 1949 und schlug sich in immer noch präsenten Genossenschaftssiedlungen nieder. Zürich besitzt bis heute keine breiten Boulevards und nur wenige Hochhäuser und hat sich deshalb vielerorts den biederen Kleinstadtcharakter bewahrt. In den neuen Stadtvierteln Zürich-West und Zürich-Nord bilden jedoch umgenutzte Industriebauten eine überraschende Kulisse für urbanes, freches und oft lautes Leben. Vielleicht ist es gerade dieser Mix, der die kleine Weltstadt so unwiderstehlich macht.

Foto (c) iStockphoto / astra490

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