Toskana: Der sonnige Garten Italiens

Die Toskana ist der sonnige Garten Italiens. Die nur dünn besiedelte Region bietet Landschaften von überwältigender Schönheit mit Bauernhäusern auf sanften Hügeln und Zypressenalleen, die zu herrschaftlichen Residenzen führen, mit zauberhaften Dörfern und weltberühmten Städten, die mit ihren uralten Palästen, Kirchen und Plätzen wie Kulissen zu Historienfilmen wirken. Toskana, das sind menschenleere Bergregionen und kilometerlange Badestrände, Naturparadiese und archäologische Zonen mit faszinierenden Ausgrabungen. Toskana bedeutet Schlemmen, Weingenuss und südländische Lebensart mit unwiderstehlichem Charme.

Über die Toskana wird im deutschen Sprachraum viel geschrieben, kaum eine andere Region Italiens scheint uns so vertraut. Viele denken sofort an das Chianti, die berühmte Weingegend im Herzen der Toskana, andere an das Mittelmeer mit seinen langen Sandstränden und den vorgelagerten Inseln. Für viele andere sind es vor allem Städte wie Florenz, Siena, Pisa oder Lucca mit ihren berühmten Baudenkmälern und den Schätzen ihrer Kirchen und Museen, die die Toskana ausmachen.

Toskana, das sind aber auch wildreiche Wälder und duftende Macchia, bis zu 2000 m hohe Gebirgszüge mit Wanderwegen und sogar Skipisten, alte Thermalbäder und hochmoderne Wellnesscenter, blaues Meer vor weiß leuchtenden Marmorbrüchen und lange Ketten wogender Weizenfelder, gekrönt von mittelalterlichen Dörfern. Die 23000 km² große Toskana (das entspricht etwa der Größe Mecklenburg-Vorpommerns) ist unendlich facettenreich und nicht zuletzt darum für viele die schönste Gegend Italiens.

Nach der Einführung des Euro sind auch in der Toskana die Preise in die Höhe geschnellt. Das versucht man jetzt zu korrigieren. Den preiswertesten Urlaub können Sie im Hinterland fernab der Strände und Touristenzentren verbringen. Von besonders typischem toskanischem Charme kann der Urlaub bei einem agriturismo-Betrieb sein, egal, ob es sich um ein luxuriöses Gut mit Swimmingpool oder um ein ausgebautes Bauernhaus handelt.

Im 7. und 6. Jh. v. Chr. führten die Griechen in Italien den Wein- und Olivenanbau ein. Diese uralten Kulturpflanzen prägen vor allem die Landschaft südlich von Florenz und um Lucca. Als man die Gegend in etruskisch-römischer Zeit vermaß, verlieh man der ganzen Region durch Aufteilung und die Untergliederung durch Zypressen das bis heute vorherrschende Aussehen. Die Städte lagen seit dem frühesten Mittelalter im Wettstreit miteinander; noch heute fühlt sich jeder der knapp 3,5 Mio. Toskaner ausschließlich seinem Geburtsort oder seinem Stadtviertel zugehörig. Sichtbarster Ausdruck hiervon ist der Palio delle Contrade in Siena, der mit verbissenem Ernst ausgetragene Reiterwettkampf zwischen den 17 Stadtvierteln.

In der ganzen Toskana herrscht gemäßigtes Mittelmeerklima, im Winter scheint häufig die Sonne, oft gibt es aber auch sehr kalte Tage. Schnee fällt jedoch, außer in den Hochlagen und in Ausnahmewintern, selten. Frühling und Herbst sind meist sehr mild (und empfehlen sich außer für Badeferien an der Küste als beste Reisezeit), jedoch mitunter regenreich.

Der Hochsommer ist die beste Zeit für einen Besuch der Maremma und der südlichen Küstenniederungen. Das Chianti ist am schönsten, wenn sich das Weinlaub rot färbt. Spätherbst und Winter sind die richtige Zeit für Museumsbesuche und geruhsame Einkäufe in den Städten: Keine Touristengruppen versperren den Blick auf die Sehenswürdigkeiten, und in Geschäften und Lokalen wird man mit besonderer Aufmerksamkeit bedient. Im Januar und Februar blühen an der Küste die Mimosen und Mandelbäume, und einsame Spaziergänge am aufgewühlten Meer haben dann einen ganz besonderen Reiz. Beachten Sie aber, dass an der Küste viele Restaurants und Hotels in den Wintermonaten geschlossen sind.

Von Januar bis März ist in der Toskana aber auch Skisaison. Rund 200 km Pisten und 80 km Loipen erwarten Sie! Das klassische Skigebiet der Toskaner liegt am Abetone nördlich von Lucca und Pistoia. So können Sie morgens auf die Piste und danach Museen besuchen, shoppen oder die berühmten Kamelien in den Gärten der Luccheser Villen bewundern. Weiteres Plus: Skifahren ist in der Toskana wesentlich billiger als in den Alpen! Der Mai ist die beste Zeit für Wanderungen in den tiefen Tälern der Garfagnana oder auf den Höhen der Apuanischen Alpen und in der artenreichen Vulkanlandschaft rund um den Monte Amiata.

Die Vielfalt der toskanischen Landschaft spiegelt sich auch in der Fauna: Es gibt Rehe, Hirsche und, vor allem in der Maremma, Wildschweine. Und im Juni schwärmen abends Millionen von Glühwürmchen durch die sommerlichen Olivenhaine.

Das Badeleben an den kilometerlangen, schönen Sandstränden der Versilia ist ausgesprochen mondän; exquisite Nightclubs und wilde Diskos wechseln an der Uferpromenade mit teuren Restaurants. Südlich von Pisa wird das Strandleben legerer und familiärer, während an der Felsküste des Monte Argentario die Reichen und Mächtigen unter sich sind. Im August wird die ganze Küste zunehmend von Toskanern, aber auch von Römern vereinnahmt – es wird für einige Zeit voll an den Stränden.

Im September und Oktober gehört das Meer fast ausschließlich den ausländischen Touristen, und nie ist es schöner als in diesen Spätsommertagen. In den Weinbaugebieten beginnt nun die Lese, und für diejenigen, die geruhsame Tage in einem der ausgebauten Gutshöfe oder einem der Schlösser im Chianti verbringen wollen, ist jetzt die ideale Urlaubszeit.

Von November bis Januar dauert die Zeit der brucatura, in der die Oliven von Hand von den Zweigen abgestreift werden – auf manchem agriturismo-Hof dürfen die Gäste dabei helfen. Die Region steht mit ihrer Ölproduktion an vierter Stelle in Italien, aber, so meinen viele Kenner, an erster Stelle in der Qualität.

Die Industrie spielt in der Toskana eine eher untergeordnete Rolle. Charakteristisch sind kleine, dynamische Unternehmen und Handwerksbetriebe mit größtmöglicher Unabhängigkeit in Zentren, die sich meist auf historische Ursprünge berufen. Hervorstechende Beispiele sind die Textilverarbeitung und Seidenweberei in Prato und Lucca. Das Pro-Kopf-Einkommen liegt weit über dem nationalen Durchschnitt. Doch wird auch in der Toskana die in Jahrtausenden erreichte Harmonie zwischen Mensch und Umgebung langsam zum Mythos. Die historischen Zentren der Städte – nicht für die Auto- und Menschenmassen heutigen Ausmaßes gebaut – werden, auch wenn sie verkehrsberuhigt sind, immer unwohnlicher. Und auch der Tourismus trägt zum Verfall des natürlichen Ambiente bei – er ist jedoch zugleich einer der Gründe, warum man sich andererseits verzweifelt bemüht, diesen Verfall aufzuhalten.

Die Schönheit der Region und die Kunstschätze einiger Städte locken jährlich mehr als 7 Mio. Touristen an. Die Toskana ist die größte Kunstlandschaft Italiens: Vier Fünftel der Kunstschätze des Landes findet man auf ihrem Gebiet. Nur wenige Regionen haben die europäische Kultur und Kunst so befruchtet.

Foto (c) iStockphoto / Selitbul

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