Provence: Ein Fest für die Sinne

Die Provence ist ein Fest für all Ihre Sinne: Weiße Felsen, blaues Meer, rosafarbene Flamingos, schwarze Stiere, grüne Kiefern und violette Lavendelfelder betören das Auge. Wilde, würzige Kräuter, saftiges, süßes Obst, frische Fische und Meerestiere und wunderbare Weine aus Frankreichs Süden schmeicheln dem Gaumen. Natur und Kultur, Meer und Berge, Trubel in den Städten und Stille im Hinterland, Tradition mit Zeugnissen der Römerzeit und Avantgarde mit Festspielen und moderner Architektur – die Region spielt mit den Gegensätzen und zeigt Ihnen zu allen Jahreszeiten ihren Charme.

Die Gegend hier ist voller unentdeckter Schätze. Bisher hat sich noch niemand gefunden, der sich in seinen Darstellungen der Reichtümer, die hier schlummern, würdig gezeigt hätte.“ Das hat Paul Cézanne 1896 geschrieben, und dieser Satz ist heute noch eine Aufforderung an alle Menschen, die Provence zu entdecken.

Die klare Luft, der der alles beherrschende Mistralwind jede Trübung nimmt, lässt das Licht auf weißem Kalkstein tanzen, gelbe Sonnenblumen oder blauvioletter Lavendel leuchten auf den Feldern. Das zarte Grün der Weinreben verzaubert die Täler und die Hänge entlang der großen Flüsse. Alte Dörfer mit lauschigen Plätzen ducken sich im Schatten von mächtigen Schlössern. Die Städte zeugen vom Reichtum der Vergangenheit mit großen Palästen, Prachtstraßen und Arenen, heute zeigen Museen, Festspiele und Verwaltungstempel die Vielfalt des Landstrichs. Und schließlich das Meer! Es öffnet an der Küste – mit kilometerlangen Sandstränden in der Camargue und kleinen Felsenbuchten bei Marseille – das Tor zur weiten Welt.

Die Provence, eine der ältesten Kulturlandschaften der Menschheit, spielt mit ihren Gegensätzen: Einerseits die schroffen Felsklippen der Calanques mit ihren grünen Kiefern unter dem blauen Himmel am Stadtrand von Marseille und andererseits das weite Sumpfland der Camargue, in dem die schwarzen Stiere, die rosafarbenen Flamingos und die weißen Pferden zu Hause sind. Zum einen die fruchtbaren Täler am Ufer der großen Flüsse Durance oder Rhône und zum anderen die kargen Hochebenen im Hinterland mit der Garrigue, dem Gestrüpp aus Heide, immergrünen Eichen, Disteln und den duftenden Kräutern wie Thymian oder Rosmarin. Wie Tag und Nacht sind auch stille römische Ausgrabungsstätten in Glanum bei Saint-Rémy und der geschäftige, hypermoderne TGV-Bahnhof im Niemandsland zwischen Aix und Marseille.

Die Provence birgt so viele Schätze, dass sie einen Künstler wie Paul Cézanne ein Leben lang fesselte. Dabei hat sich der Vater der modernen Malerei in seiner Kunst lediglich auf einen kleinen Ausschnitt dieser Landschaft beschränkt und sich bei der Suche nach Motiven auf seine Heimatstadt Aix, das Sainte-Victoire-Gebirge, das Städtchen Gardanne und den Fischerhafen L’Estaque bei Marseille konzentriert.

Dabei wusste Cézanne, wie es ist, wenn ein Provenzale aus dem Norden in die Heimat zurückkehrt. Er kannte die Stelle bei Montélimar, wo sich das Rhônetal verengt und für eine neue Landschaft öffnet. Ab hier ist das Klima mild genug für Oliven- und Mandelbäume, ab hier sorgt die sengende Sonne für den intensiven Duft und Geschmack der Kräuter, die den Namen der Provence wie eine Auszeichnung tragen.

Es ist schwer, heute eindeutige Grenzen der Provence zu definieren, die Kaiser Augustus kurz vor Christi Geburt erstmals Provincia Gallia Narbonensis getauft hat. Die eigentliche Provence gehört zu einer der 22 französischen Regionen, die den Namen Provence-Alpes-Côte d’Azur mit der hässlichen Abkürzung „PACA“ trägt und ihren Verwaltungssitz in Marseille hat. Dieser Reiseführer legt seinen Schwerpunkt auf die Départements Bouches-du-Rhône mit Marseille als Hauptstadt, Vaucluse rund um Avignon, einen großen Teil der Alpes-de-Haute-Provence südwestlich von Digne-les-Bains und schließt mit Bandol und Sanary-sur-Mer auch einen Teil des Départements Var ein. Außerdem greift dieser Band über die Provence im engeren Sinne hinaus, indem er die Drôme Provençale zwischen Montélimar und Nyons im Norden, die verwaltungstechnisch zur Region Rhône-Alpes gehört, ebenso behandelt, wie er für die Ardèche, den Pont du Gard und Nîmes einen Abstecher nach Westen über die Rhône macht, die häufig als westliche Grenze der Provence betrachtet wird.

Gerade in Nîmes, aber auch in Orange, Arles oder Vaison-la-Romaine wird deutlich, dass die Provence auf eine jahrtausendealte Geschichte zurückschaut. Kaum eine andere Landschaft Europas versammelt so viel Kultur aus allen Epochen auf so engem Raum. Immer wieder, auch jetzt noch im 21. Jh., werden in Aix-en-Provence oder in Avignon Überreste von Theatern oder Gartenanlagen aus der Römerzeit gefunden.

Die Provence ist nicht in der Vergangenheit stehen geblieben, bietet in der High-Tech-Industrie rund um Aix und Marseille Arbeitsplätze der Zukunft. La Ciotat hat nach dem Untergang der alten Werften den Wandel eingeleitet und kümmert sich mit kleinen Spezialunternehmen im alten Hafen um Luxusyachten. Und Marseille baut im Hafenviertel mit millionenschweren EU-Subventionen rund um die Docks de la Joliette, den umgebauten alten Lagerhallen, das Dienstleistungszentrum Euroméditerranée.

Das neue Publikum, das in die Provence kommt, ist anspruchsvoll: Die großen Sommerfestspiele in Arles (Fotografie), Avignon (Theater), Aix-en-Provence (Oper) oder La Roque- d’Anthéron (Klavier), aber auch die über 300 kleinen Festivals im Luberon, in der Drôme oder in der Hochprovence schlagen mühelos eine Brücke von geschichtsträchtigen Stätten wie römischer Arena, Papstpalast oder Schlosspark zur Avantgarde zeitgenössischer Kultur.

Entdecken Sie die Provence auch, aber nicht nur auf der Fährte der großen Maler des 19. und 20. Jhs. und auf den Spuren der Vergangenheit wie in den Römerstädten Arles, Nîmes, Vaison-la-Romaine oder Orange. Entdecken Sie auch die Schätze der Drôme, die mit den Weinbergen von Vinsobres oder den Olivenhainen von Nyons ein Geheimtipp geblieben ist. Erobern Sie die quicklebendigen Städte wie Marseille, Avignon oder Aix-en-Provence, flanieren Sie in den mustergültig renovierten Dörfern des Luberon oder der Alpilles, genießen Sie das ganz normale Alltagsleben in der Hochprovence zwischen Forcalquier und den Schluchten des Verdon! Staunen Sie über die Ausblicke vom Gipfel des Mont Ventoux, der Montagne de Lure, der Sainte-Baume oder der Sainte-Victoire, und stürzen Sie sich für ein erfrischendes Bad ins Meer bei Saintes-Maries-de-la-Mer, Marseille oder La Ciotat!

Die Provence wartet darauf, dass ihre Reichtümer entdeckt werden, in aller Ruhe und zu jeder Jahreszeit. Nehmen Sie sich die Zeit – Paul Cézanne hat schließlich sein ganzes Leben damit verbracht, dem Zauber seiner Heimat auf die Spur zu kommen.

Foto (c) iStockphoto / Brzozowska

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2 Kommentare

  1. Fritz Borchert

    Nachdem ich an drei Stellen gelesen habe, dass die Provence ein Fest für alle Sinne sei, ist selbst mir klar geworden, dass die Provence ein Fest für alle Sinne sein soll. Nur was ich nicht erfahren habe: zu welcher Jahreszeit der Lavendel blüht. Denn danach würde ich meinen Reiseplan ausrichten.
    Viele Wörtter – viel Redundanz.
    fb

    • mairdumont

      Hallo Herr Borchert,

      eine ideale Reisezeit um den Lavendel in voller Blüte zu sehen, ist sicherlich ab Ende Juni bis in den Juli hinein. Allerdings ist es dann auch besonders voll. Manche Reisende bevorzugen daher den späten Sommer oder frühen Herbst.

      Wir wünschen Ihnen schon jetzt eine schöne Reise!