Kroatische Küste – Istrien

Türkisblaues Meer umschmeichelt grün bewaldete Hänge und von Wind und Meer glatt geschliffene Felsen, Küstenstädtchen scharen sich um venezianische Kirchtürme, Jugendstilhotels säumen romantische Uferpromenaden, und in den Tiefen des Karstes harren Tropfsteinhöhlen auf ihre Erforschung. Die slowenisch-kroatischen Ferienregionen Istrien und Kvarner sind mit einer einzigartigen landschaftlichen und kulturellen Vielfalt gesegnet und erfüllen dank ihrer modernen touristischen Infrastruktur und der herzlichen Gastfreundschaft ihrer Bewohner alle Wünsche selbst anspruchsvoller Besucher. Lassen Sie sich verzaubern!

Sonnenscheingarantie mit blauem Himmel, den tagelang kein Wölkchen trübt, glasklares Wasser, sauber und warm, lauschige Badebuchten, von üppigem Grün und intakter Natur gesäumt: Idealvorstellungen vom Ferienparadies, vervollkommnet von pittoresken alten Städtchen voller Kunstschätze, idyllischen Dörfern und gastfreundlichen Menschen: All das hat Istrien und Kvarner mit den vorgelagerten Inseln zum beliebten Ferien- und Erholungszentrum an der Ostküste der Adria gemacht. Ein Platz, der bis Anfang des 20. Jhs. allein der k. u. k. Hautevolee aus ganz Europa vorbehalten war.

Nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens und der Unabhängigkeit der beiden Teilrepubliken Slowenien und Kroatien Anfang der 1990er-Jahre erlebte die etwas sozialistisch-verstaubt wirkende Ferienlandschaft ein gründliches Facelifting: Strandhotels und Campingplätze wurden renoviert; neue, familiär geführte Landhäuser und Villen traten in Konkurrenz zu den großen Hotelanlagen. Viele Köche besannen sich ihrer kulinarischen Traditionen und ersetzten die gesamtjugoslawischen Grillgerichte durch delikat komponierte Köstlichkeiten aus heimischen Rohstoffen, aus wildem Spargel, Trüffeln und den fangfrischen Gaben des Meeres. Der Wellnesstrend eroberte die Küsten des Kvarner mit Thalasso, Ayurveda und – der letzte Schrei – Lomi Lomi. Für Adrenalinsüchtige wurden zahllose Möglichkeiten aufgeboten, sich an senkrechten Wänden, Schwindel erregenden Hochseilgärten oder beim Mountainbiken auszutoben. Istrien und Kvarner haben die alten Reize bewahrt, sich zugleich aber in eine moderne Ferienregion verwandelt.

Glasklar ist das Wasser an der Ostküste der Adria. 80 Strände sowie 18 Yachthäfen Kroatiens sind mit dem Ökolabel der Blauen Flagge ausgezeichnet (www.blaue-flagge.de). Beschwerlich ist jedoch oft der Weg über spitzes Fels- und Kieselgestein in die erfrischende Flut. Badeschuhe und Schwimmflossen gehören daher unbedingt ins Gepäck. Wer Freude am Schnorcheln hat, kann die artenreiche Meeresflora und -fauna bereits in der Uferzone gut beobachten.

Mit rund 3160 km² bildet Istrien die größte Halbinsel der Adria. Geografisch beginnt Istrien – der Name leitet sich vom illyrischen Stamm der Histrer ab – im Norden an dem Flüsschen Osapska reka, das beim italienischen Fischerort Muggia in die Adria mündet. Doch weder der schmale italienische Landstreifen noch der mit mehr als 40 km Küstenlänge schon etwas größere slowenische Anteil wird Istrien genannt: Die Slowenen bezeichnen die Region um die Stadt Koper als Primorska. Wenn die Kroaten von Istra, also Istrien, sprechen, meinen sie ihren Teil, den von der Fläche her größten, mit einer Küstenlinie von etwa 100 km, gemessen in der Luftlinie von Umag im Nordwesten bis Rabac im Südosten, samt Inselchen und Buchten an die 480 km Uferzone. Den nordöstlichen Bereich mit der Gemeinde Opatija rechnet man schon zur Kvarner-Bucht.

Landschaftlich teilt sich Istrien in drei Gebiete auf. Im Bereich des Berggürtels im Norden und Osten erhebt sich das weiße Istrien mit hellem, felsigem Kalkgestein. Obwohl hier die meisten Niederschläge fallen, herrscht ständig Mangel an Wasser, denn das versickert augenblicklich im porösen Karst. Die Flusstäler werden landwirtschaftlich genutzt. Durch das dünn besiedelte Gebiet der Hochflächen, bewachsen mit Steppengräsern, Disteln und Föhren, ziehen die Schäfer mit ihren genügsamen Tieren.

Die Mitte Istriens birgt ein fruchtbares, wasserreiches Hügelland, das graue Istrien. Den Namen hat es von seinen wasserundurchlässigen Böden aus tonigem Sedimentgestein. Zwischen Äckern und Rebhängen dehnen sich dichte Wälder aus, auf den Kuppen der Hügel thronen uralte Städtchen, von dicken Mauern umgeben. Aus der Ferne sehen sie wie unbezwingbare Festungen aus, als sei die Zeit hier seit dem Mittelalter spurlos vorübergegangen.

Nach Westen zu ist der Kalkboden von roter Erde überzogen; ein Hochland, das sanft zur Küste abfällt: das rote Istrien. An der buchtenreichen Küste gedeihen im milden Meeresklima Pinien und Zypressen, Edelkastanien, Ölbäume und vor allem Weinreben. Halbinseln strecken ihre Nasen in das Wasser der Adria. Wo sie Siedlungen tragen, drängen sich die Häuserzeilen eng aneinander, getrennt durch winklige Gassen. Ein großer Platz mit Pfarrkirche und Regierungspalast bildet noch immer den zentralen Punkt in fast jedem Ort. Das rote Istrien ist die am dichtesten besiedelte und die wirtschaftlich am weitesten entwickelte Region, vor allem dank des Tourismus.

Die Istrische Halbinsel ist eine Schnittstelle zwischen Süd-, Südost- und Mitteleuropa – ein ethnischer Schmelztiegel mit einem bunten Sammelsurium historischer Denkmäler: Das römische Amphitheater in Pula, die byzantinische Euphrasius-Basilika in Poreč, der von Österreichern gebaute Leuchtturm in Savudrija oder der venezianische Prätorenpalast in Koper sind nur ein paar Beispiele. Slawen und Römer, Venezianer und Habsburger haben auch die Sprache und Kultur dieser Region geprägt. Italienisch beherrschen viele Istrianer wie ihre Muttersprache, und auch in der Küche ist das romanische Erbe ebenso deutlich zu spüren wie das der k. u. k. Monarchie.

Gen Nordwesten an Istrien gelehnt, nach Süden Dalmatien zugewandt, ist Kvarner die mittlere der drei großen touristischen Regionen entlang der Kroatischen Küste. Kvarner bezeichnet ursprünglich nur den Meeresteil der Adria zwischen Istrien und Cres. Im weiteren Sinne steht sein Name für die gesamte Bucht mit ihren Inseln Cres, Lovinj, Krk und Rab sowie für das angrenzende Festland. Als touristisches Synonym für den Bezirk Primorsko-Goranska umfasst Kvarner zudem das dünn besiedelte Gorski Kotar im Hinterland. In dieser waldreichen Mittelgebirgslandschaft leben noch Braunbären, Luchse und Dachse in freier Natur.

Kvarner ist Kroatiens Aushängeschild für einen modernen Tourismus im Einklang mit der Natur. Europas Highsociety kurte schon gegen Ende des 19. Jhs. vorwiegend im Winter und Frühling in den heilklimatischen Orten an der Riviera von Opatija und Crikvenica. Diesem frühen Wellnesstrend folgend, gewinnt der Gesundheitstourismus immer mehr an Bedeutung. Gute Straßen erleichtern die Anreise, sodass es heute unkomplizierter denn je ist, Istrien und Kvarner zu entdecken.

Foto (c) iStockphoto / Hlinkazsolt

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